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Ernst Tochs Werke aus der Mannheimer Zeit
Diese wichtigste Schaffensperiode Ernst Tochs ist in dieser Zusammenstellung erstmals auf CD zu hören. Interpretiert werden die Stücke von Friedemann Eichhorn, Jelena Očić, José Gallardo, Jonathan Flaksman und Sang Hee Park.
Die Klaviermusik sollte in den 1920er Jahren von der spätromantischen Klangfülle »befreit« und zu einer modernen klaren Tonsprache gebracht werden. »Klangbrechung« nannte Ernst Toch selbst sein linear-polyphones Verfahren, das er auch in den Burlesken angewandt hat und das ihm nach eigenen Aussagen unerschöpfliche Möglichkeiten bot, die Klaviermusik zu modernisieren.
Die 1929 komponierte Sonate für Violoncello und Klavier, op. 50 trug mit den im gleichen Zeitraum entstandenen Konzerten für Violoncello und Kammerorchester, op. 35 (1924), bzw. für Klavier und Orchester, op. 38 (1926), dazu bei, dass Toch überregionale Bekanntheit erreichte und zu den modernen Tonsetzern gehörte, die in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in Mitteleuropa am meisten aufgeführt und besprochen wurden.
Theodor W. Adorno warf ihm allerdings vor, wenig Eigenständiges zu haben und ein Epigone Paul Hindemiths zu sein. Prof. Michael Flaksman meint dazu: Die Kompositionen von Hindemith bzw. Toch weisen ganz unterschiedliche Stilmerkmale auf. Die melodische Sprache Tochs ist viel chromatischer als die Hindemiths, der seine Melodik und Harmonik auf übereinander gesetzte »perfekte« Quarten gründet. Die Musik von Toch ist fast immer linear, also kontrapunktisch komponiert. Er bevorzugt obsessive Rhythmen (»perpetuum mobile») mit vielen sukzessiven Wiederholungen der Motive. Seine Logik setzt sich oft mithilfe von Sequenzen durch. In all diesen Eigenschaften weicht Toch von dem »Modell« Hindemith ab. Was die beiden Komponisten gemeinsam haben, ist eine eher herbe Ästhetik, die ja in der Epoche des Expressionismus in der Musik von nicht wenigen Komponisten bevorzugt wurde.
Friedemann Eichhorn (Violine) zählt zu den führenden Violinisten und Violinprofessoren Deutschlands. Er studierte bei Prof. Valery Gradow an der Musikhochschule Mannheim, bei Alberto Lysy an der International Menuhin Music Academy in Gstaad sowie bei Margaret Pardee an der Juilliard School in New York. Er war Stipendiat der Menuhin Academy, Juilliard School, Kronberg Academy, Villa Musica und des DAAD. Daneben studierte er Musikwissenschaft an der Universität Mainz und promovierte bei Prof. Dr. Christoph-Hellmut Mahling. Als Solist konzertiert er mit vielen namhaften Orchestern wie dem SWR-Rundfunkorchester. In der Doppelrolle Solist/Dirigent tritt er u.a. regelmäßig mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester auf. Seit 2002 lehrt er an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und leitet dort das Institut für Streicher und Harfe sowie den Internationalen Louis-Spohr-Violinwettbewerb.
Jelena Očić’ (Violoncello) virtuoses und farbenreiches Spiel begegnet enthusiastischen Ovationen in den Konzertsälen dreier Kontinente. Bernard Greenhouse, Gründercellist des berühmten »Beaux Arts Trio« nennt sie »eines der außerordentlichsten Cellotalente der heutigen Zeit« und der kürzlich verstorbene Siegfried Palm, eine herausragende Figur der Musik des 20. Jahrhunderts, beschrieb sie als »eine der vielversprechendsten Interpreten der Neuen Musik«. Als Solistin konzertierte sie u.a. mit dem Korean Chamber Orchestra, dem Orchestra da Camera di Padova e del Veneto, den Solisti di Zagreb und den Zagreber Philharmonikern. Jelena Očić ist Honorarprofessorin an der Mannheimer Musikhochschule. Aus der von ihr und ihrem Mann, Professor Michael Flaksman, betreuten Mannheimer Celloklasse traten Gewinner zahlreicher internationaler Wettbewerbe und Mitglieder namhafter Orchester (Santa Cecilia in Rom, Nationaltheater in Mannheim, u.v.m.) hervor.
José Gallardo (Klavier), von der Presse immer wieder für seine virtuose Fingerfertigkeit gerühmt, wurde in Buenos Aires/Argentinien geboren. Er begann im 5. Lebensjahr mit Klavierunterricht zunächst am Konservatorium in Buenos Aires. Später setzte er sein Studium bei Prof. Poldi Mildner am Fachbereich Musik der Universität Mainz fort, das er 1997 mit Diplom abschloss. Seit 1998 ist er Dozent am Fachbereich Musik der Universität Mainz. Er errang zahlreiche nationale und internationale Preise, u.a. 1990 den 1. Preis beim Westfälischen Musikfestival in Hamm oder 1992 den 1. Preis beim internationalen Klavierwettbewerb Cantú, Como (Italien). Zu einer regen Konzerttätigkeit in Europa, Asien, Israel, Ozeanien und Südamerika kommen Einladungen zu zahlreichen Festivals.
Jonathan Flaksman (Violoncello), 1981 in den USA geboren, nahm eine als Cello umgebaute Viola bereits mit 5 Jahren in die Hand und erhielt ab dem 8. Lebensjahr regelmäßig Cellounterricht bei Madelena Burle-Marx. Er war Stimmführer des Jugendsinfonieorchesters des Cleveland-Orchestra und er trat erstmals mit 16 Jahren als Solist mit Orchester auf. Seit frühem Alter beschäftigte er sich mit der Kammermusik und komponierte vorwiegend »Blues«. Als Stipendiat am renommierten Cleveland Institute of Music begann er seine Ausbildung bei Richard Aaron; nach einem Zwischenaufenthalt an der Juilliard School in New York bei Fred Sherry vervollständigte er sein Studium an der Mannheimer Musikhochschule in der Klasse seines Vaters Michael Flaksman und Jelena Očić.. Am Mannheimer Nationaltheater wirkte er als Solocellist bei der Gründung des Barockensembles »La Folia« mit.
Sang Hee Park (Klavier), in Seoul/Korea geboren, gewann bereits als 7-Jährige beim Wol-gan Musik Journal Wettbewerb den ersten von zahlreichen Preisen in ihrer Heimatstadt. 1991 gab sie mit dem Tae-jon Philharmonischen Orchester ihr erstes Konzert vor großem Publikum. 2000 erhielt sie ein »Departmental Fellowship« an der Seoul National University und graduierte dort 2004 als Bachelor mit Hauptfach Klavier. Während dieser Zeit studierte sie bei Prof. Hyeong-Jun Chang (Seoul National), Prof. Jong-Phil Lim (Korean National University of the Arts) und Prof. Jung-Gang Han (Korean Baptist Theological University). Von 2004 bis zum Solistenexamen Anfang 2010 studierte sie an der Mannheimer Musikhochschule bei Professor Andreas Pistorius.
Presse:
"Eine hervorragende Einspielung."
klassik.com 02/11
CD-Vorstellung auf Radio Orange 94.0
"Die kurze, etwas matt klingende, aber gewichtige CD (...) Hörenswert."
Fono Forum 11/10
"Wie stark auch Tochs Hang zur Groteske und dissonanten Linearität sein mag, stets hat die Musik spürbare Substanz und melodischen Charakter. Hier wird sie engagiert dargeboten."
crescendo 10/10