Bauer Studios Ludwigsburg

Olivia Trummer Release Konzert am 6.10. im Theaterhaus Stuttgart

Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten am 08.10.11 von Thomas Staiber

Olivia Trummer setzt sich ans Fender-Rhodes-E-Piano, spielt eine Fuge von Bach und schmuggelt ein paar Blue Notes hinein, aus denen sich der Jazzstandard "Some Day My Prince Will Come" (aus dem Disney-Film "Schneewittchen") schaukelnd heruasschält. Bodek Janke hat einen Schellenkranz um sein Fußgelenk gebunden und schlägt mit bloßen Händen auf die Felle und Becken seines Schlagzeugs. Die Sache fängt an zu grooven. Schmetterlingsleicht.

Nun wechselt die preisgekrönte Pianistin und Vokalistin zum weit geöffneten Flügel und singt mit ihrer silberhellen Mädchenstimme "Wo die Liebe hinfällt", eins der neun Lieder ihrer aktuellen CD "Poesiealbum", die sie alle komponiert und getextet hat. "Meer ohne Wasser", "Es ist windig heut", "500 Millionen" oder "Verrückt" heißen andere der neuen Stücke. Der Kontrabass von Martin Gjakonowski mit seinem tiefen warmen Holzton fällt ein, und die aparte Stuttgarterin tastet sich in eine luftige Improvisation voller Rhythmuswechsel und changierenden Klangfarben hinein. Ihre Stimme kontrastiert dabei sehr hübsch mit den Basstönen der von Johannes Lauer hauchzart gespielten Posaune.

Gegensätze sind überhaupt das Strukturprinzip von Olivia Trummers Musik und Alltagspoesie. Gesetzte Ordnung und improvisatorische Freiheit, blütenweiche Empfindsamkeit und messerscharfe Ironie, scheinbare Zerbrechlichkeit und konsequente Stärke finden sich im quecksilbrigen Chansin-Jazz der 26-jährigen Stuttgarterin. Wie sie es schafft, das alles unter einen Hut zu kriegen? Ganz einfach: mit hoher Musikalität, Virtuosität und einer gehörigen Portion Frechheit.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten